Die Stromversorgung medizinisch genutzter Bereiche unterscheidet sich grundlegend von gewöhnlichen Gebäudeinstallationen. Die DIN VDE 0100-710 bildet zusammen mit der VDE 0107 die normative Grundlage. Eine Vornorm (DIN-VDE-V-0100-710-1), die ab Oktober 2025 gilt, bringt weitere Präzisierungen. Im Kern definiert die Norm drei Versorgungsebenen.
Allgemeine Versorgung (AV)
Die AV entspricht der normalen Netzversorgung aus dem öffentlichen Netz. Sie versorgt alle nicht sicherheitsrelevanten Verbraucher eines Krankenhauses. Bei Netzausfall liefert die AV keine Energie mehr; betroffene Bereiche sind dann auf die nachgelagerten Versorgungsebenen angewiesen.
Sicherheitsstromversorgung (SV)
Die SV übernimmt nach einem Netzausfall innerhalb von maximal 15 Sekunden die Versorgung sicherheitsrelevanter Verbraucher. Sie wird typischerweise durch ein Dieselaggregat (Netzersatzanlage/NEA) realisiert. Automatische Transferschalter (ATICS) übernehmen die selbsttätige Umschaltung von AV auf SV.
Batteriegestützte Sicherheitsversorgung (BSV)
Die BSV stellt die kritischste Versorgungsebene dar. Sie muss die Stromversorgung unterbrechungsfrei oder innerhalb von 0,5 Sekunden sicherstellen und überbrückt den Anlaufzeitraum des Notstromaggregats. Typische Anwendungsbereiche sind Operationssäle, Intensivstationen und lebenserhaltende medizinische Geräte.
IT-System im Operationssaal
Operationssäle und Intensivbereiche (Gruppe 2 nach DIN VDE 0100-710) erfordern ein medizinisches IT-System – ein galvanisch vom Netz getrenntes, isoliertes Netz. Es besteht aus einem Trenntrafo, einem Isolationsüberwachungsgerät (IMD) und einem Alarm-Panel. Es verhindert, dass ein erster Isolationsfehler zu einem gefährlichen Stromfluss durch den Patienten führt.